5 Live-Aufnahmen, die Konzertlust befeuern

Hoffentlich ein Vorgeschmack auf die Zukunft.

Endlich! In der Schweiz sind Konzerte nach den jüngsten Lockerungen in ungekannte Nähe gerückt.

Musik an sich hat bereits ein Kraft für uns als Individuen, aber doch lässt sich das kollektive Erlebnis eines Konzerts nicht wirklich reproduzieren. Es ist ein einzigartiger, geteilter Moment. Du musst dabei gewesen sein, um es zu wissen. Du gehörst zu einem exklusiven Club.

Auch wenn Live-Aufnahmen nie die volle Ekstase des physischen Genusses transportieren können: Es gibt grandiose Aufnahmen da draussen. Ich habe fünf davon gesammelt, in der Hoffnung, sie mögen deine Stimmung etwas beflügeln an diesem schönen Sonntagmorgen.

Woodkid – Run Boy Run

Montreux Jazz Festival 2016

2011 begann Yoann Lemoine aka Woodkid seinen Feldzug in der Welt. Damals erlangte der Video-Künstler, der unter anderem für Taylor Swift und Katy Perry tätig war, erste Bekanntheit, nachdem seine Single Iron für den Trailer des Spiels Assassin‘s Creed: Revelations genutzt wurde. Woodkids Aufstieg ging 2012 weiter mit der Veröffentlichung von Run Boy Run. Seine epitschen Kompositionen waren etwas Neues, ein neo-klassischer und cineastischer, immer überlebensgrosser Sound.

Die ausufernde Interpretation von Run Boy Run am Montreux Jazz Festival 2016 ist nicht nur eine der besten Woodkid-Aufnahmen, sondern wohl eine der besten Aufnahmen überhaupt. Gespielt mit einem vollen Orchester und einem Chor aus Kindern und Publikum, untermalt mit einer fantastischen Lichtshow. Es ist pure Eskalation. Ich bekomme jedesmal Gänsehaut.

Editors – Papillion

Pinkpop 2018

Wer die Editors jemals live erlebt hat, versteht. Die britische Band ist eine der besten Live-Acts, die zurzeit existieren. Ihre melancholischen Hymnen hallen durch Zeit und Raum. Die Songs explodieren in energetischen Fontänen, wenn sie live gespielt werden.

Um dieses hohe Lob zu verifizieren, brauchst du lediglich die Aufnahme von Papillion am Pinkpop Festival 2018 zu schauen (Timecode: 1:02:46). Aber natürlich ist es empfehlenswert, sich das ganze Konzert reinzuziehen, denn die Stimme von Tom Smith ist schlicht eine perfekte Wucht – und A Ton of Love (Timecode: 49:20) ist der ultimative Beweis dafür.

Danko Jones – Lovercall

Arena, Wien, 2012 [Bootleg]

Zugegeben, ich bin kein grosser Fan von Menschen, die an Konzerten filmen. Die Smartphones stören die Sicht, die Aufnahmen sind meist – verzeiht – beschissen. Aber dieses elf Jahre alte Bootleg von Danko Jones‘ Lovercall ist eine der besten und authentischsten Aufnahmen des kanadischen Garage-Rock-Trios.

Der Clip zeigt hervorragend, weshalb die Band immer wieder für ihre energetischen Auftritte gelobt werden. Frontmann Danko Jones ist ein reinblütiger Entertainer. Er weiss um die Kraft der Interaktion. Das Video ist eine pure Freude. Da will man gleich ein kühles Bier in die heisere Kehle giessen.

The Beauty of Gemina – Rumours

Moods, Zürich, 2014

The Beauty of Gemina gehören seit 2008 zu meinen musikalischen Begleitern. Ich habe das Mastermind Michael Sele mehrmals interviewt, über ihre Alben geschrieben und mindestens 20 ihrer Konzerte besucht. Aber leider verpasste ich ihre Akustik-Show im Zürcher Jazz-Club Moods anno 2014. Und ich bereue es immer noch.

Wenigstens bieten die Aufnahmen jenes Abends ein wenig Trost. Immer, wenn ich mir sie anschaue, ist da dieses Gefühl der vollkommenen Synchronisation. Als schmelzten die einzelnen Musiker zusammen in einen Organismus, der diesen dunklen, warmen Sound erzeugt. Du solltest dir unbedingt Rumours anhören (Timecode: 1:39:50), um zu verstehen, was ich meine.

Martin Kohlstedt – HARNAO

Elbphilharmonie, Hamburg, 2017

Natürlich ist die Szenerie in Hamburgs Elbphilharmonie erstaunlich, dieser prestigeträchtigen Halle der klassischen Musik. Aber wie es in der Klassik eben so ist, nimmt die Musik selbst das Rampenlicht. Und ich verwende den Begriff Klassik hier ziemlich frei, denn Martin Kohlstedts HARNAO ist kein typisches Klavierstück.

Denn der Song ist eine modulare Komposition zweier Fragmente: HAR und NAO. Diese Fusion ist einmalig. Man findet sie auf keinem Album. Nichts kommt der Essenz eines Konzerts näher. Dazu ist Kohlstedts Performance von HARNAO schlicht ergreifend. Lieblich, ruhig und nachdenklich, aber auch ohrenbetäubend, explosive und episch.


Das war‘s wieder mal für heute. Die Weekly5 sind immer noch in der Sommerpause, aber ich hoffe, dass ich dir mit diesen Live-Aufnahmen den Morgen versüssen konnte. Und vielleicht hast du ja auch etwas entdeckt, das du unbedingt live erleben willst, sobald es wieder richtig möglich ist.

Alles Gute

P.S. Wenn dir diese Ausgabe gefallen hat, bitte drücke kurz auf das Herz oder schreibe einen Kommentar und lass mich wissen, welcher Auftritt es dir angetan hat. Danke.
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