Fünf Tracks vor der Sommerpause

Weekly5 • Edition #20 • Sam Himself, Toni Sauna, Takeshi's Cashew, Feldboat, Jungle

🕒 1132 Wörter, Lesezeit: 9 Minuten

Das ist sie nun, die letzte Ausgabe der Weekly5 vor der Sommerpause. Mit der heutigen Ausgabe zählt die Playlist nun genau 100 Songs (klick hier für Spotify oder Apple Music).

Wenn wir frech wären und auch die Auswahl der «Killed Darlings» zählen würden, wär es gar die unbefriedigende Zahl von 105 Tracks.

So oder so ist jetzt heute der perfekte Moment um eine Pause einzulegen. Obwohl ich leidenschaftlich gerne neue Musik entdecke und mit dir teile, ist der ganze Prozess unfassbar aufwendig. Ich wühle mich jede Woche aufs Neue durch die Veröffentlichungen, wähle hoffentlich das Beste aus. Diese Arbeit frisst jeweils den Freitagabend und Samstagmorgen ganz auf. Besonders seit es die deutschsprachige Ausgabe gibt.

Also nehme ich mir lieber jetzt eine Auszeit, damit ich nicht plötzlich die Lust verliere. Am Ende des Newsletters offenbare ich jedoch, was ich in den nächsten Wochen geplant habe. Denn: Ich kann dich ja nicht so lange im Stich lassen.

Nun genug der Einführung, es ist Zeit für die heutige Kuration. Ein Potpourri an musikalischer Grossartigkeit, die von drängendem Indie-Rock bis zu avantgardesken Hip-Hop-Klängen reicht.

Sam Himself – Nothing Like The Night

🎧 Spotify | Apple Music

Ich bemerkte Sam Himself das erste Mal, als er sein unfassbares Springsteen-Cover Dancing In The Dark veröffentlichte. Der charismatischer Basler Bariton hatte auch vor einigen Wochen einen Gastauftritt in den Weekly5 mit seinem Beitrag zu NOTIs letters from nowhere.

Nun präsentiert Sam Himself seine brandneue Single Nothing Like The Night. Geschrieben während der Pandemie, während er nicht mehr in seine Wahlheimat New York zurückkehren konnte, reflektiert der Song die Klaustrophobie und Unsicherheit dieser Zeit. Der Künstler erklärt:

In Nothing Like the Night gehts um Selbstflucht und Kontrollverlust, wenn man plötzlich ein perfektes Alibi fürs Sichgehenlassen hat: das Ende der eigenen Welt, wie man sie kennt.

Sam Himself fühlte sich verloren und entwurzelt, schaffte es dennoch, kreativ zu sein. Vielleicht musst er das sein, um zu überleben. Er nahm zehn Songs für sein Debütalbum auf. In Nothing Like The Night ist seine abgrundtiefe Stimme weniger präsent, dafür eine verzweifelte, sehnende. Begleitet vom treibenden, drängenden Sound.

Die Single destilliert die Atmosphäre der Pandemie perfekt: Ein entkoppeltes Gefühl. Die Zeit und Leben rasen an einem vorbei, während man die Kontrolle verliert.

Toni Sauna – King James

🎧 Spotify | Apple Music

Glaubt man dem Pressetext, ist Toni Sauna der Cousin von LeBron James. Genau, dem legendären Basketball-Star. Ich konnte diese Information nicht wirklich verifizieren. Zumindest stammt Toni Sauna wie LeBron aus Akron, Ohio. Und offenbar, hatte sich Sauna auch schon mit Amy Winehouse in luftige Höhen gekifft.

Toni Sauna ist ein Weltenbummler. Die Hip-Hop-Grundschule betritt er in New York City, aber nun lebt er in Schwedens Hauptstadt Stockholm. Und er ist definitiv ein Künstler, den man im Auge behalten sollte. Mit jedem frischen Track gewinnt er an Boden. Einer dieser Songs heisst King James, eine Ode an seinen Onkel und seinen positiven Einfluss auf Tonis Leben.

King James ist geradezu erfrischend – trotz der offenkundingen Referenzen an die Ursprünge des Raps. Die Atmosphäre ist Soul-geschwängert, dekoriert mit einem jazzigen Boom-Bap-Groove. Insbesondere in diesen Zeiten, wo destrasös beschissener Autotune-Rap aus Deutschland dominiert, erscheint Toni Sauna wie ein Erlöser. Hier ist Kunst am Werk.

Takeshi’s Cashew – Yellowyellow

🎧 Spotify | Apple Music

Es ist wohl die perfekte Popkultur-Referenz für die Gen Y: Takeshi’s Cashew. Das Sextett aus Wien hat am Freitag ihr Debütalbum Humans In A Pool veröffentlicht. Es ist eine packende Wundertüte voller Psychedelic-Funk, Cumbia und tanzbaren Beats. Ein Sound, der nach Sommer riecht.

Jeder der sieben Tracks auf dem Album sind exzellente Beispiele für dieses warme, befreiende Gefühl. Für heute muss Yellowyellow genügen, uns einen Einblick in das Debüt von Takeshi’s Cashew zu geben.

Trotz des komplexen Arrangements bleibt das Stück einfach zugänglich. Es ist eine veritable Explosion an Genres. Krautrock trifft auf Hippie-Flöten-Sound, erdige Klänge kollidieren mit Lichtjahre entfernten Supernovas.

Man kann’s nicht anders sagen: Der Sound von Takeshi’s Cashew hinterlässt einen in bester Launa. Und wenn du mit Yellowyellow anfängst, solltest du definitiv gleich das ganze Album geniessen.

Feldboat – I Want Your Soul

🎧 Spotify | Apple Music

Stell dir vor, du arbeitest 30 Jahre lang für eine Schweizer Grossbank. Zwischen Paradeplatz und Wall Street. Willkommen in der Welt von Feldboat. Aber dann kam die Pandemie, die unser aller Leben veränderte. Auch jene des Zürchers. «Das Virus attackiert nicht nur meine Gesundheit – es will mir auch meine Seele und meinen Verstand rauben», sagt der Musiker.

Feldboat flüchtete aus seinem früheren Leben, zog sich ins Heimstudio zurück, um fortan als Songwriter und Produzent zu arbeiten. I Want Your Soul ist sein Debüt, ein düsterer, hypnotischer, aber auch ein erotischer und aufreibender Track. Dichte Trip-Hop-Hooks und Erdbeben-Beats verschmelzen zu einer Tinktur, die den Corona-Blues vertreibt.

Die Musik war schon jeher treue Begleiterin von Feldboat. Angefangen in jungen Jahren als Cellist, später besuchte er Kurse in der School of Music und begann 2019 mit eigenen Kompositionen. Nun, seinen ganzen Fokus auf die Musik legend, steigt Feldboats Wert schnell an. Wenn I Want Your Soul sein Börsengang ist, kaufe und halte ich die Aktie sofort.

Jungle – Talk About It

🎧 Spotify | Apple Music

Jungle brauchen definitiv nicht mehr vorgestellt zu werden. Das Londoner Duo hat sich mit einem knackigen Neo-Soul zur Marke gemact. Ihre neuste Single Talk About It ist der zweite Vorbote des kommenden Albums Loving in Stereo.

«Talk About It gibt den Hörern einen weiteren Vorgeschmack auf die Energie, die das Album prägen wird», sagen Tom McFarland und Josh Lloyd-Watson. Letzterer gab dem NME zu Protokoll, dass Loving in Stereo voller Songs sei, welche so Jungle-mässig seien wie nie zuvor.

Wenn Talk About It eine Referenz ist, dann wird sich Llyod-Watsons Statement tatsächlich bewahrheiten. Es gibt keinen Weg drumrum: Talk About It ist ansteckend, ein wahrer Knüller, verdächtig eingängig und weit treibender als die erste Single Keep Moving. Der Track hat das Potential zum Sommerhit 2021.


Und somit haben wir’s geschafft: Diese Songs füllen die Playlist bis zur magischen Zahl 100. Wenn dir diese Ausgabe gefallen hat, drücke unten auf den Like-Button und teile die Ausgabe mit deinen Freund*innen.

Share

Die offiziellen Weekly5 kehren im September zurück. Aber es bleibt hier nicht komplett still in den nächsten Wochen. Ich habe einige Spezial-Ausgaben im Ärmel, die dich über den Sommer hinweg mit musikalischer Inspiration versorgen.

Und nächsten Sonntag wage ich mich an die unmögliche Herausforderung: Aus den letzten zwanzig Ausgaben nicht fünf, sondern zehn der besten Tracks der ersten Staffel Weekly5 auszuwählen.

Alles Gute und bis bald