Playlists sind grossartig, aber …

Ein Plädoyer für das Album.

In letzter Zeit höre ich immer The Friendship Onion, den Podcast von Dom Monaghan und Billy Boyd. Ja, Merri und Pippin aus der Herr der Ringe-Trilogie. Abgesehen davon, dass sie urkomisch sind, sprechen sie oft über Musik und welche Platten sie hörten, während sie stundenlang in der Maske sassen.

Mir wurde wieder einmal bewusst, wie dramatisch sich die Art, wie wir Musik hören, in den letzten 20 Jahren verändert hat. Und das stimmte mich auch ein wenig traurig.

Der Untergang des Albums

Ich wurde 1990 geboren, als das Musikgeschäft noch florierte. Alle schmissen ihre Vinylsammlungen weg und kauften sich den Katalog nochmals auf diesen glänzenden neuen Compact Discs. Was für eine Zeit, was für ein Business-Modell!

Alben brachten noch eine Menge Geld ein und definierten das Hörerlebnis. Ich habe in einer früheren Folge beschrieben, wie bestimmte Platten wie Eric Claptons Unplugged oder Paul Simons umwerfendes Graceland meinen Geschmack und meine Persönlichkeit irgendwie geprägt haben.

Die erste CD, die ich mit meinem eigenen Geld gekauft habe, war das Debütalbum von Lil Bow Wow. Erinnerst du dich noch an That's My Name? «Bow wow wow yippie yo yippie yay!» Sicherlich nicht der beste Kauf der Geschichte.

Aber wir gingen in eine andere Richtung. Wir alle hatten irgendeine dieser Compilation-CDs zu Hause. Bravo Hits, The Dome oder Boom. Sie ähnelten dem heutigen Playlist-Ökosystem. Viele von uns hörten sich die Charts im öffentlichen Radio an und nahmen die Songs auf, die wir liebten.

Gepaart mit der Entdeckung auf MTV oder VIVA, waren wir zur Playlist-Generation bestimmt.

Dann kam das Internet. Alben waren teuer. 20 Schweizer Franken pro CD. Natürlich griffen wir zu P2Ps wie Limewire, eMule oder Napster. Und mit dem Aufkommen der MP3-Player, allen voran Apples iPod und iTunes, starb das Album langsam und leise.

Das Tinder der Musik

Springt man ins Jahr 2021, ist das Album so irrelevant wie nie zuvor. Playlists und ihre Kuratoren sind die Geschmacksmacher. Sie entscheiden über den Erfolg oder Misserfolg eines neuen Songs. Alles wird in Playlists gelistet. Und ja, ich bin mit Weekly5 Teil dieses Umfelds.

Zweifellos haben Playlists, wie Mixtapes, eine Funktion. Sie eignen sich hervorragend, um Künstler aus einem bestimmten Genre zu entdecken. Oder sie bieten die perfekte Untermalung für eine bestimmte Stimmung. Wenn man jedoch Musik als Kunstform und nicht als Konsumgut betrachtet, muss man den Tod des Albums beklagen.

Playlists sind das Tinder der Musik. Man wischt so durch die Songs und hört vielleicht etwas, das einem gefällt. Auf der anderen Seite ist ein Album eher wie ein richtiges Date. Man hört genau hin, ist für eine längere Zeit beschäftigt. Es gibt ein Überraschungselement, weil man nie weiss, was im nächsten Song lauert. Und schliesslich geht man eine tiefe Bindung mit dem Werk eines Künstlers ein.

Geniesse die Tiefe

Zugegeben, das ist völlig subjektiv; meine tiefsten Verbindungen zu Musiker*innen entstehen, wenn ich ihre Alben komplett anhöre. Ich habe The Cure mit The Head On The Door entdeckt, The Beauty of Gemina mit A Stranger to Tears, Adna mit Run, Lucifer oder die White Lies mit Ritual. Und es gibt unzählige weitere Beispiele.

Alben sind wie Gemälde, und jeder Song ist ein Pinselstrich. Die Betrachtung der einzelnen Farben mag eine Schönheit in sich tragen, aber die Betrachtung des Gesamtwerks birgt eine andere Art der Bewunderung.

Nur Alben spiegeln wirklich alle Facetten wider, die die Musiker*innen zu bieten haben. Das ist nötig, um eine Band wirklich zu begreifen. Das Album vermittelt immer auch eine Botschaft; es ist ein Gradmesser für den Zustand der Band und – in den besten Fällen – auch der Gesellschaft.

Deshalb hier meine Bitte an dich: Wenn du Künstler*innen in den Weekly5 entdeckst, nimm dir eine Auszeit und hör dir ein Album von ihnen an. Du wirst eine neue Wertschätzung für die Arbeit finden.

Jetzt bin ich neugierig, was du über Playlists und Alben denkst. Hörst du dir noch ganze Alben an? Oder bist du ein kompletter Playlist-Typ? Teile deine Gedanken in einem Kommentar mit. Oder antworte auf diesen Newsletter, und lass mich wissen, wie du Musik hörst.

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Alles Gute

P.S. Wenn dir diese Ausgabe gefallen hat, bitte drücke kurz auf das Herz oder schreibe einen Kommentar und lass mich wissen, welcher Song es dir angetan hat. Danke.
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